Zwei verblüffend ähnliche Lebenskonzepte: Gesetzlich oder »gehorsam«?

Zwei verblüffend ähnliche Lebenskonzepte: Gesetzlich oder »gehorsam«?
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Wohl dem, der sich für wahre Befreiung entscheidet. Von Ty Gibson

Lesezeit: 3 Minuten

(Wer Mühe mit dem durch die deutsche Geschichte belasteten Wort Gehorsam hat, darf beim Lesen dieses Wortes gerne an Treue, Vertrauen und Hingabe gegenüber Gott, seinen Verheißungen und seinem Gesetz denken. Preußischer, militärischer, blinder Kadavergehorsam gefällt Gott nicht, denn er sehnt sich nach einer intelligenten, freiwilligen und gewaltfreien Liebesbeziehung zwischen sich und dem Menschen. Viel Freude beim Lesen dieses wertvollen Artikels. Die Redaktion)

Wer gehorsam ist, ist nicht gesetzlich. Gesetzlichkeit ist sogar eine Form von Ungehorsam. Es sieht dann so aus, als wäre man gehorsam, in Wirklichkeit versteckt man die Sünde nur mit gespieltem Gehorsam. Durchs Gehorchen können wir uns zwar keine Rettung verdienen, wer aber wirklich errettet ist, der ist dadurch auch gehorsam.

Die Bibel spricht ausschließlich positiv über Gottes Gesetz und das Befolgen seiner Gebote (Psalm 19,8-12; 119,32.97; Römer 3,31; 7,12; Offenbarung 14,12). Gesetzlichkeit hat mehr mit meinen Motiven und meiner Herzenseinstellung zu tun als mit meinem Verhalten. Oberflächlich betrachtet kann der Gesetzliche wie ein Gehorsamer wirken, so als hielte er Gottes Gesetz (Matthäus 23,1-30). Doch im Herzen und in der Einstellung anderen gegenüber besteht zwischen beiden ein himmelweiter Unterschied. Jesus zeigte den Unterschied zwischen beiden:

»Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst so: O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen … Und der Zöllner stand von ferne, wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: O Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, im Gegensatz zu jenem. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.« (Lukas 18,11-14)

Der Gesetzliche und der Gehorsame unterscheiden sich dadurch, wie sie über Gottes Wesen denken. Sie sehen es in einem ganz anderen Licht und begegnen daher auch ihrem Nächsten anders. Der Gesetzliche glaubt, dass Gott erst errettet, wenn man gehorsam ist. Der Gehorsame weiß, dass Gott seine Rettung als bedingungsloses Geschenk anbietet, dass Gehorsam aber die garantierte Folge dieser freien Errettung ist. In der ersten Sichtweise bleibt man selbst im Mittelpunkt des Interesses. Man nimmt an, es stünde in unserer Macht, Gottes Gunst zu verdienen und ihn an uns zu binden. In der zweiten Sichtweise steht Gott im Mittelpunkt und das Herz wird unter dem verwandelnden Einfluss seiner Liebe erneuert. Die erste Sicht beruht auf dem Bild eines Gottes, bei dem Verdienst und Verpflichtung zählen. Die zweite Sicht glaubt, dass Gottes Liebe uns die Freiheit schenkt und dennoch überwältigend ist, ja gerade deshalb überwältigend, weil sie keinen Zwang ausübt.

Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass »Errettung« heißt, wir kämen nach dem Tod in den Himmel statt in die Hölle. Die Bibel versteht »Errettung« jedenfalls nicht so begrenzt und egozentrisch. Errettung ist vielmehr Gottes befreiende Tat, die den Sünder schon hier und jetzt von seiner Sünde erlöst (Matthäus 1,21). Errettet werden sollen wir nämlich von der Sünde. Schauen wir uns die folgende Erklärung an: »Sündigen heißt: Gottes Gebote missachten.« (1. Johannes 3,4 Hfa) Von Sünden errettet zu werden, heißt also vom Brechen der göttlichen Gebote befreit zu werden. Das heißt, dass Errettung Ungehorsam weder zur Folge haben noch sonst irgendwie fördern kann. Im Gegenteil: Errettung macht aus dem gläubigen Menschen einen Menschen, der Gottes Gesetz befolgt. Solch ein Gehorsam ist unter keinen Umständen gesetzlich. Er versucht sich keinesfalls damit Gottes Gunst zu verdienen, sondern sein Gehorsam entspringt der freudigen, von Herzen kommenden Sehnsucht, Gott in allen Dingen zu gefallen, weil er von seiner wunderbaren Gnade begeistert ist.

Die Einstellung des Menschen, der Gottes Gesetz aus echtem Glauben heraus befolgt, drückt sich wunderbar in den Worten des Königs David aus, der das Beispiel für einen nicht-gesetzlichen Menschen war: »Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.« (Psalm 40,9).

Mission Update, The Newsletter of Light Bearers Ministry, Mai 2011, www.lbm.org

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